Teleimpuls Gerätevergleich



Gerätevergleich im Schäferhundemagazin
Im Schäferhundemagazin Ausgabe Juni 2004 finden Sie einen Artikel, der 3 Teleimpulsgeräte aus unserem Sortiment miteinander vergleicht. Der Autor hat uns freundlicherweise einen Abdruck des Artikels genehmigt:

Reizende Bewerber
Drei Teleimpulsgeräte im Vergleich

Noch vor einigen Jahren drohten einem Hundeführer nicht nur schräge Blicke, wenn er seinem Hund in aller Öffentlichkeit „einen Tacker“ um den Hals legte. Tierquäler und Hundeschocker waren noch die harmlosesten Kommentare, die sich Herrchen anhören musste.
Inzwischen hat sich die Situation deutlich entspannt. Immer mehr Hundeführer haben sich mit dem Thema Teleimpulsgeräte befasst. Professionelle Hundeausbilder wie beispielsweise Bart Bellon oder Knut Fuchs reisen quer durch Deutschland und zeigen in gut besuchten Seminaren, dass moderne Funkhalsbänder kein Teufelszeug, sondern ein sinnvolles Hilfsmittel zur modernen Jagdhundeausbildung sind.

Inzwischen ist auch der Markt der Geräteanbieter gewachsen. Neben dem Marktführer Innotek haben sich andere Hersteller wie Dogtra oder Num’Axes (Canicom) einen Namen in der Hundeszene gemacht. Es ist also an der Zeit für einen kleinen Marktüberblick.

Wir haben uns drei Geräte aus der Einsteigerklasse der entsprechenden Hersteller ausgesucht. Die Preise liegen mit 239,00 Euro (Innotek und Canicom) bis 279,00 Euro (Dogtra)  eng beieinander. Auch die Konzepte der verschiedenen Geräte ähneln sich zum Teil auffällig. Platzhirsch ist das seit rund 2 Jahren erhältliche Modell Advanced Trainer 300 von Innotek. Seit Januar diesen Jahres verfügbar ist das Dogtra 200 NCP. Jüngster Sproß aus dem Hause Nun’Axes ist das Canicom 200, das im April dieses Jahres auf den Markt kam.

Impulsarten
Alle vorgestellten Geräte verfügen über zwei verschiedene Impulsarten. Der Nick- oder Flash-Impuls gibt unabhängig von der Dauer des Knopfdrucks nur ein Signal von weniger als einer Sekunde ab. Dieser Impuls kann verwendet werden, um den Hund aufmerksam zu machen.
Der Continous-Impuls hält so lange an, wie die entsprechende Taste gedrückt wird – maximal jedoch 8-10 Sekunden.
Bei beiden Impulsarten ist die Stärke am Handsender einstellbar.

Impulsstärken
Die Stärke der abgegebenen Impulse über ein Messgerät zu erfassen macht nur eingeschränkt Sinn. Denn nicht nur die abgegebene Amparezahl ist verantwortlich dafür, wie stark der Hund reagiert. Hauptindikator beim Test war daher die gefühlte Stromabgabe an der Hand des Testers. Ein messbar schwächerer Impuls kann als deutlich unangenehmer empfunden werden, wenn er mit größeren Pausen, tackernd wie eine Nähmaschine abgegeben wird. Daher haben wir auf die Angabe von technischen Daten verzichtet. Interessierten Lesern sei hier die Lektüre der Broschüre von Dieter Klein aus Münster (kleindi@uni-muenster.de) empfohlen, die direkt beim Autor zu beziehen ist.

Reichweiten
Oft wird eine große Reichweite als das Maß aller Dinge beim Gerätekauf angelegt. Die Erfahrung in der Praxis hat jedoch gezeigt, dass es auf Entfernungen von mehr als 100 bis 200 m wenig Sinn macht, noch einen Impuls auszulösen. Denn als Grundregel gilt „Was ich nicht sehe kann ich nicht korrigieren“. Und es ist eher fraglich, ob der Hundeführer auf mehr als 100 Metern noch erkennt, was sein Hund anstellt.

Die Geräte im Vergleich

Innotek Advanced Trainer 300
Das ADV 300 ist eines der beliebtesten Geräte auf dem Markt. Der batteriebetriebene Handsender ist klein und handlich, die Bedienung ist kinderleicht. Über die Tasten „Up“ und Down“ wird ein von 7 fest eingestellten Stromimpulsen gewählt. Die Stufe eins ist dabei so schwach, dass sie beim Test auf der Hand nicht zu spüren war. Nur unterm Augenlied des Testers konnte ein leichtes Kribbeln wahrgenommen werden. Ausgelöst werden die so eingestellten Impulse über die Tasten „Nick“  oder „Continous“ also Kurz- oder Dauerimpuls. Eine separate Taste gibt am Halsband ein Tonsignal ab, das man ganz nach Wunsch als positiven Lobton oder als Warnsignal einsetzen kann.
Die Reichweite wird mit maximalen 270 m angegeben. Bei unseren Tests schwankte die echte Reichweite zwischen 100 und 180 m.
Große Probleme hatten wir mit der ersten Inbetriebnahme des Innotek-Gerätes. Die mitgelieferte mehrsprachige Bedienungsanleitung ist – vorsichtig ausgedrückt – eine Katastrophe. Erst ein Anruf bei der gebührenfreien Servicehotline brachte Licht ins Dunkel: Da bei Innotek jedes Halsband mit jedem Handsender in Verbindung gebracht werden kann ist es erforderlich, das Halsband zu programmieren. Dabei werden die beiden roten Punkte an Halsband und Handsender in Verbindung gebracht. Nach einigen Sekunden beginnt das Halsband orange zu leuchten. Es kann die Frequenz vom Handsender aufnehmen. Trotz aufmerksamer Lektüre der Bedienungsanleitung gelang uns dies erst nach mehreren Versuchen. Hier muss Innotek dringend nachbessern.
Ein weiterer echter Murks: Am Handsender fehlt ein Ein-Ausschaltknopf. Dies hat zur Folge, dass in dem Display die eingestellte Stärke nur zu sehen ist, wenn eine Taste gedrückt wird. Absolut unverständlich, was sich Innotek da gedacht hat. Fehlbedienungen ist hier Tür und Tor geöffnet.
Der Handsender wird über zwei kleine Photobatterien betrieben, das Halsband ist Akkubetrieben. Ein Netzteil wird mitgeliefert.
Schrauben zum Öffnen des Halsbandkästchens sucht man vergebens. Nach Auskunft des Servicecenters ist ein Akkutausch bei Innotek nicht möglich. Sollte also nach der 2-jährigen Gewährleistungsfrist ein Defekt am Gerät auftauchen, muss die defekte Komponente nachgekauft werden. Keine sehr kundenfreundliche Lösung, wie wir meinen!

Dogtra 200 NCP
Das Modell 200 NCP  ist schon seit längerem in den USA unter einem anderen Modellnamen auf dem Markt. Wie alle Dogtra-Geräte sind auch bei diesem Modell beide Komponenten Akkubetrieben. Das Deutsche Servicecenter versichert jedoch, dass diese Akkus problemlos ausgetauscht werden. Außerdem werde selbstverständlich auch nach Ablauf der Garantie eine Reparatur möglich sein. Die Geräte werden hierzu nach Frankreich geschickt, wo die Europavertretung des Herstellers sitzt. Dank eigener Erfahrungen ist mit einer Bearbeitungszeit von 3 bis 4 Wochen zu rechnen.
Mit einer Reichweite von bis zu 400 m ist das Dogtra 200 NCP der Klassenprimus im Test. Auch hier müssen je nach Geländebeschaffenheit Abstriche in Kauf genommen werden. Eine echte Reichweite von bis zu 200 m dürfte aber immer drin sein. Als einziges Gerät im Test hat  das Dogtra eine Antenne am Handsender. Nur so lassen sich die größeren Reichweiten erzielen. Das macht den Handsender natürlich etwas unhandlicher.
Das Dogtra 200 NCP verfolgt eine etwas andere Ausbildungsmethode wie seine beiden Mitbewerber. Auch bei diesem Gerät sind zwei Knöpfe für Kurz- und Dauerimpuls zu finden. Allerdings wird die Stromstärke über ein kleines Drehrad an der Oberseite des Gerätes eingestellt. „E-Linear-Training“ nennt Dogtra diese Art der Dosierung. Ähnlich wie bei einem Lichtdimmer kann die Stromstärke stufenlos eingestellt werden. Die aufgedruckte Skala dient dabei eher als Orientierungshilfe. Sie gibt keine punktgenaue Auskunft über die eingestellte Stärke. Ein äußerst interessantes Feature ist dabei jedoch, dass die Stromstärke auch verändert werden kann, während die Continous-Taste gedrückt wird. Es ist also ein ansteigender Stromimpuls möglich. Der Hundeführer hat dadurch die Möglichkeit, genau auf die Bedürfnisse seines Hunde zu reagieren und den Impuls so lange ansteigen zu lassen, bis er eine Reaktion des Hundes hat.
Das Dogtra 200 NCP hat kein Tonsignal, dafür aber eine Vibrations-Funktion. Mit der Paging-Taste kann man das Halsband ähnlich einem Mobiltelefon vibrieren lassen. Ursprünglich als Kommunikation für taube Hunde erdacht, kann diese Funktion auch im Hundesport wunderbar verknüpft werden.
Der Handsender des Dogtra 200 NCP liegt mit seinen kompakten Maßen sehr gut in der Hand. Die Bedienung ist kinderleicht. Ein Blick ins Handbuch ist fast überflüssig. Das Halsband wird – anders als bei Innotek – um das Empfängerkästchen herumgeführt. So wird ein wesentlich besserer Sitz der Elektroden und eine geringere Neigung zum Kippeln des Gerätes erzielt.
Die bewusste Einfachheit der Bedienung hat aber auch kleine Nachteile: Handsender und Halsband eines Dogtra-Systemes sind fest miteinander „verheiratet“. So entfällt das lästige und fehleranfällige Programmieren wie beim Innotek. Sollte jedoch einmal eine Komponente verloren gehen, so muss das übriggebliebene Teil über das Deutsche Servicecenter nach Frankreich geschickt und eine neue Komponente aufprogrammiert werden. Das dauert nicht nur lange sondern ist verständlicherweise auch relativ teuer, da personalintensiv. Ein weiterer kleiner Kritikpunkt: Der Drehregler zur Einstellung der Stromstärke ist im Vergleich zu früheren Geräten mit wesentlich mehr Widerstand versehen. Das verhindert zwar, dass die Stromstärke unabsichtlich verstellt wird. Jetzt lässt sich der Regler aber nur noch so schwer drehen, dass eine einhändige Bedienung sehr schwierig wird. Aber vermutlich wird sich bei längerer Benutzung das Rädchen ein wenig lösen und die Bedienung einfacher.

Canicom 200
Das nagelneue Gerät vom Hersteller Num’Axes aus Frankreich weist auffallende Ähnlichkeiten mit dem ADV 300 von Innotek auf. Scheinbar haben sich die Konstrukteure aus Olivet den Markt sehr genau angeschaut. Auch das Canicom 200 verfügt über Plus- und Minustasten. Auch hier wird der Kurz- oder Dauerimpuls über die Tasten C und F ausgelöst. Ja sogar die Taste für das Tonsignal sitzt an der selben stelle. Damit aber genug der Gemeinsamkeiten. Denn in den Details weist der Franzose ganz erhebliche Unterschiede auf. Es wurde nicht – wie bei Innotek – eine empfindliche und schlecht ertastbare Folientastatur gewählt. Ähnlich wie bei Dogtra sind die Tasten gummiert, haben einen Druckpunkt und sind auch mit Handschuhen leicht zu bedienen. Und eine Taste findet sich bei keinem der anderen Geräte: Der Einschaltknopf. Als einziges Gerät im Test lässt sich der Handsender des Canicom 200 ausschalten. So sind Fehlbedienungen durch versehentliches Drücken in der Hosentasche absolut ausgeschlossen. Außerdem ist die eingestellte Stufe im eingeschalteten Zustand ständig auf dem großen Display zu sehen.
Auch beim Canicom 200 können verschiedene Handsender und Halsbänder miteinander verheiratet werden. Allerdings ist hier die Gefahr der Fehlbedienung geringer, da die Frequenz des Handsenders immer gleich bleibt, die ID-Taste des ADV 300 fehlt.
Neun Impulsstufen stehen dem Ausbilder zur Verfügung. Bei unserem Vorserienmodell war die Stufe eins so gering, dass sie selbst am Augenlied kaum zu spüren wurde. Nach Auskunft der Deutschlandvertretung wurden die Ströme in der Serienfertigung minimal angehoben. Was bleibt, ist die clevere Aufteilung. Die ersten drei Stufen steigen sehr leicht an. Ab der vierten Stufe geht es mehr „zur Sache“. Die Stufe neun ist wesentlich stärker als die des Innotek-Gerätes.  Ähnlich wie beim Dogtra läuft das stabile Band um den Empfängerkasten herum und sorgt für einen sicheren Halt und sauberen Sitz. Als einziges Gerät im Test werden beide Komponenten über Batterien betrieben. Das hat erst mal den Nachteil der höheren Betriebskosten. Wer aber das Gerät nur bei bestimmten Ausbildungssituationen nutzen will, ist mit einem Batteriegerät besser bedient. Mit entnommenen Batterien verzeiht das Gerät auch eine längere Lagerung um heimischen Schrank. Akkugeräte strafen bei längerer Nichtachtung mit wesentlich geringerer Stand-by-Zeit oder sogar Totalausfall.
Die angegeben Reichweite von 150 – 200 m kommt beim Canicom 200 der Realität sehr nahe. Das liegt auch daran, dass dieses Gerät in Frankreich gebaut und speziell für den Europäischen Markt konzipiert wurde. Es funkt daher auf einer EU-harmonisierten Frequez, bei der es sehr wenige Störsignale gibt. Innotek und Dogtra wurden für den Weltmarkt entwickelt. Sie sind nach einer andern Norm (FCC) gebaut und mussten für die europäischen Anforderungen umgestrickt werden. Das geht auf Kosten der echten Sendeleistung.

Fazit
Keines der vorgestellten Geräte ist wirklich eine schlechte Wahl. Innotek täte gut daran, in Details nachzubessern und vor allem die unglückliche Reparaturregelung zu überdenken. Bei Dogtra stört eigentlich nichts, außer dem höchsten Preis im Test. Das beste Gesamtpaket hat Num’Axes mit seinem Canicom 200 geschnürt. Es stimmt nicht nur der Preis. Die Bedienung und Verarbeitung sind ohne Tadel. Die Aufteilung der Stromimpulse hat uns hier am besten gefallen. Die Franzosen haben sich offenbar sehr gut auf dem Markt umgeschaut und es verstanden, die Fehler der Mitbewerber nicht zu machen. Bleibt abzuwarten, wann Platzhirsch Innotek nachlegt!

Arne Klett